Die 100 Register des Mathias Rehfeldts

Mathias Rehfeldt ist mehr als nur Filmkomponist und Organist: Seine Klangneugier führt ihn zu immer neuen Ideen und Projekten. Elektronische Orgelimprovisationen, internationale Stummfilmkonzerte und die große Leinwand bieten dafür den perfekten Rahmen.

von Denise Maurer
Mathias Rehfeldt an seinem Arbeitsplatz

Zum Interview lädt Mathias Rehfeldt in sein Studio ein. In seinem recht großen Arbeitsraum hat man dennoch nicht allzu viel Platz. Alles steht voll mit Instrumenten oder Technik. Die eine Hälfte nimmt ein Klavier und eine eigene Heimorgel ein, die andere etliche Bildschirme, Mischpulte, Midi-Keyboards. Jeder sonstige freie Platz ziert ein exotisches Instrument. Sehr augenscheinig sind die zwei Starwars-Figuren auf den wohlplatzierten Lautsprechern. Auch der Tee wird in Star Wars Tassen serviert.

Eigentlich wollte Mathias überhaupt kein Profi-Musiker werden. Seine Eltern, ein Professor für Orgel und eine Klavierlehrerin, legten ihm dennoch bald Instrumentalunterricht nahe, was er letztendlich erfolgreich boykottierte. Später dann mit 17 half er am Keyboard in einer Band aus. Er probierte ein paar passende Töne nach Gehör zu spielen. Es fiel ihm leicht und die Leidenschaft zur Musik packte ihn; von nun an übte er rund um die Uhr, egal ob sechs Uhr morgens vor der Schule oder in der Mittagspause. Sein Ziel: Ein Kirchenmusikstudium.

 

Seine große Hingabe und seinen Fleiß spürt man auch in seinem Studio. Es scheint ein wenig so, wie eine komplett eigene Welt, wie eine kreative Spielwiese. Zur Zeit steckt der 31-Jährige in zahlreichen Projekten, die er mit beständigem Schaffen und einem wohl großen Output managed. Gestresst ist er deshalb keineswegs. Er ist eher der gelassene, ruhige Typ und schwäbisch-bescheiden obendrauf.

 

So erwähnt er quasi nebenbei, die Aufnahmeprüfung in Tübingen für Kirchenmusik adhoc geschafft zu haben. Noten lesen, lernte er auch erst mit 17. Genau darin sieht er aber ein Glück, schließlich schreiben Noten ja auch immer Musik vor:

 

„Ich habe viel am Anfang experimentiert, [viel eigenes ausprobiert; Anm. d. Redaktion] und bin eine ganze Zeit lang mit Kindesaugen an die Sache ran gegangen.“

 

Im Studium lernt er neben dem Orgelspiel Tonsatz und Improvisation. Eine gute Grundlage für das Komponieren.

auf dem Titelblatt der “Signature” mit seinem Stummfilm-Konzert in Canada

Den Schlüsselmoment für seine Entscheidung Filmkomponist zu werden hatte er allerdings 2010 im Auslandsjahr in den USA. Dort durfte er für den Organisten Wolfang Rübsam bei einem Improvisations-Stummfilmkonzert einspringen. Fünfmal sah er sich den Film Nosferatu aus den 20ern an, um die Hintergründe der Story und der Figuren in einem musikalischen Konzept widerzuspiegeln. Dieses Konzept braucht er, um bei der aus dem Moment geborene Improvisation an der Orgel, trotzdem eine tiefere Ebene des Filmes aufdecken zu können. Überhaupt ist das für ihn an der Filmmusik das Wichtigste: Dem Zuschauer einen besseren Zugang zum Film zu geben und für ihn Beziehungen und Hintergründe aufzeigen. Auch das Improvisieren zum Film fällt ihm auf Anhieb leicht:

 

„Das war das erste Konzert, bei dem ich kompromisslos Freude hatte. Und die Resonanz war großartig.“

 

Das Filmkompositionsstudium führt ihn dann letztlich nach München. Dort durfte er von Eniott Schneider und Gerd Baumann das Handwerk lernen. Vor allem das richtige Orchestrieren fasziniert ihn seit dem Studium. Erst die Orgel, dann also das Orchester: Sinn für Monumentalität hat Mathias Rehfeldt auf jeden Fall. So wundert es nicht, dass sein Lieblingsgenre Fantasy ist. Herr der Ringe, Harry Potter, Star Wars haben gerade das richtige epische Maß. Das Fernseh-Märchen „Der Zauberlehrling“ bot 2017 dafür eine Bildfläche. Gerade widmet er sich aber einem anderen Genre: Der Fernseh-Krimi „Justice“ soll bald erscheinen. Außerdem hat er bereits zahlreiche Terra X Dokumentationen und Festival-Filme vertont. Seine Musik und sein Sound geht dabei immer sehr passend und stimmungsvoll auf das Thema, Setting und Dramaturgie der bewegten Bilder ein.

Nach dem Studium wirkte die Film- und Fernsehwelt aber erst einmal furchteinflößend auf den jungen Absolventen:

 

„Erst hat man tierisch Angst. Man ist wahnsinnig nervös, schließlich ist man ja selbstständig. Vor allem bis man sich ein Studio finanziert hat.“

 

Doch hatte er Glück und konnte sofort einige Aufträge gewinnen. Glück hatte er zudem bei den Teams seiner Projekte, denn es ist nicht selbstverständlich in Deutschland ausschließlich auf leidenschaftliche Filmemacher zu treffen. Oft werden Filme quasi industriell fertig gestellt. Günstig und schnell soll viel produziert werden. Auch wenn das eine bekannte Sache ist, ist Mathias sehr bedacht, was er zu diesem Thema sagt. Klar, träumt er deshalb von Hollywood, wo Geld den Kreativen keine Grenzen setzt.

 

Mathias Rehfeldts eigene Hausorgel mit elektronischer Klangerweiterung

Seine Experimentierfreude bewahrt er sich außerhalb der schnelllebigen Filmwelt: So hat er nebenbei noch an seinem Album „Dark matters“ gebastelt: Orgelmusik trifft da auf die Lieblingsgeheimzutat derzeitiger Musik: elektronische Tanzbeats. Am 10.02.18 gibt er das Release-Konzert in Gröbenzell.

 

Nach dem Interviews redet sich Mathias Rehfeldt in pure Begeisterung über sämtliche Werke für Orgel und Film. Und das breite, herzliche Grinsen auf seinem Gesicht verrät, dass die Liebe zur Musik so schnell kein Ende nehmen wird.

 

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